Die (erste) alte Schule

Die Schule(n) in Loquard

Fragt man in Loquard nach der Schule, kommt die Gegenfrage: Welche Schule? Nicht, dass wir keine hätten – es gibt mehrere: Die Gulfschule an der Landesstraße, von der alle sagen, sie sei die schönste in Deutschland. Durch den Ausbau eines ehemaligen Gulfhofes aus dem Jahr 1835 zu einer Grundschule wurde 1999 unter dem Grundsatz „Junges Leben in alten Mauern” der Schulbetrieb aufgenommen. Sowohl die baulichen Massnahmen als auch schulische Projekte an dieser Schule wurden vielfach ausgezeichnet.


Zuvor fand der Unterricht seit den 1950er-Jahren im Gebäude des heutigen Kindergartens an der Victor-Freese-Straße statt, einem Neubau, der durch die Zusammenlegung mehrerer Dorfschulen (Campen, Rysum und Loquard) nicht mehr genügend Raum bot. Dieses Gebäude wird auf Plänen und in den Köpfen am häufigsten als alte Schule bezeichnet.
In Vergessenheit geraten ist die „Mädchenschule“ Am Runden Graben. Heute ein Ferienhaus, war ihre ursprüngliche Bestimmung die Ausbildung von höheren Töchtern.


Die alte Schule Loquard hingegen ist zumindest der früheste Nachgänger eines Schulwesens, welches 1483 mit der ersten Erwähnung einer Lateinschule in Emden seinen Anfang in Ostfriesland nahm. Im Jahr 1519 beginnt unter dem Grafen Edzard in Ostfriesland die Reformation und mit ihr keimt die Idee eines Volksschulunterrichts. 1529 und 1535 fordert Enno II., daß jedermann seine Kinder in die Schule schicken soll, damit aus ihnen gute Staats- und Kirchendiener gemacht werden. Nach alter Sitte sollen die Dorfgemeinschaften ihren Schulmeister selbst wählen. Und in der Polizei-/Gerichtsordnung der Gräfin Anna von 1545 wird die Verpflichtung zum Schulbesuch festgelegt.

Jeder, der fünf oder sechs Jahre alt ist, hat jetzt ein Recht auf Unterricht (Glaubensbekenntnis, 10 Gebote und Vaterunser lernen). Für arme Eltern soll die Kirchengemeinde das Schulgeld tragen. Obwohl 1744, als die Grafschaft Ostfriesland an Preußen fällt, in fast allen Gemeinden selbständige Schulstellen eingerichtet sind, kann von der Durchsetzung einer allgemeinen Schulpflicht nicht die Rede sein. Der durchschnittliche Schulbesuch lag in Ostfriesland um 1850 bei ca. 50 % für die lutherischen und 70 % für die reformierten Schulen. Von dieser Zeit liegt ein Bericht aus der Swyter-Chronik vor:

Die alte Schullehrerwohnung, mit welcher die Schule in Verbindung stand, ist im Jahre 1867 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Sie stand auf derselben Stelle, wo heute noch das neu errichtete Haus steht, südlich von der Kirche. Sie war pl.m. (planmäßig) 40 Schritt lang, das alte Wohnhaus war 56 Fuß lang und 19 Fuß breit, hatte den Giebel nach Westen und auf der Nordseite die Vordertür.

Es enthielt:

  1. Eine Stube mit hölzernem Fußboden, hatte zwei Schlafstellen und 4 Fenster, von denen zwei im Giebel und zwei in der nördlichen Mauer angebracht waren.
  2. Eine Küche mit zwei Fenster an der Nordseite, zwei durch eine sog. Speisekammer getrennten Bettstellen und mit einem Feuerheerde.
  3. Eine kleine Kellerstube mit einem Fenster an der Nordseite, mit einem Kleider- und einem Bücherschranke und mit einer Schlafstelle, jedoch ohne Ofen.
  4. Eine kleine Dachstube, welche über der siehe a aufgeführten Stube angebracht war; sie hatte zwei Fenster in der Giebelmauer und einen Ofen.

Die Zeit der Erbauung ist unbekannt


Außerdem war noch eine Cisterne und ein Keller in dem Wohnhause befindlich. Die Zeit der Erbauung ist unbekannt. Die jetzt sehr baufällige Scheune, 54 Fuß lang und 29 Fuß breit, welche fast ganz von dem Wohnhause getrennt, und nur durch einen Gang mit demselben in Verbindung steht, enthält 3 kleine Pausenräume, 2 Kuhställe und einen anderen Stall, ehemals als Schweinestall benutzt. Die Zeit der Erbauung ist 1832. Die Schule war 44 Fuß lang und 23 Fuß breit, stand am Westende mit dem Wohnhause in Verbindung, mit dem Giebel indeß nach Osten gerichtet, war durch eine steinerne Wand in zwei Abteilungen geschieden, die durch eine hölzerne Tür miteinander verbunden werden konnten. Die erste östliche Abteilung hatte an der Nord-, Ost- und Südseite je 2 Fenster nebst einem Ofen und war 21 Fuß lang.
Die zweite Abteilung hatte bei einer Länge von 23 Fuß an der Nordseite 2 und an der Südseite ebenfalls 2 Fenster und einen  alten Ofen. In der Schule befanden sich: 18 Schultische, 1 Stuhl, 1 Glasuhr, 2 Torffässer, 2 Feuerzangen, 4 Wandtafeln und 4 Wandkarten.
Die Schule, welche im Jahre 1852 erbaut, ist in einem recht guten baulichen Zustande. Wohnhaus, Schule und Scheune waren im Brandcataster für 1930 = 5790 M versichert. Der jährliche Mietwert des Hauses und der Scheune waren veranschlagt auf 14 = 42 M. Die Schule besitzt in der Kirche 1 Kirchensitz und auf hiesigem Kirchhofe 5 Gräber.
Die oben beschriebene alte Lehrerwohnung ist im Jahre 1867 abgebrochen und statt derselben an der nämlichen Stelle eine neue Lehrerwohnung erbaut.
Das neue Wohnhaus ist auch mit dem Giebel nach Westen gerichtet, hat die Eingangstür nach Norden, ist 47 Fuß lang und 25 Fuß breit.
Es enthält:
    a.    Eine kleine Stube rechts vom Vorplatz, welche 1 Fenster im Westgiebel und 1 Fenster nach Norden hat und jetzt mit einem kleinen runden Ofen versehen ist.
    b.    Eine größere Stube, zu welcher der Vorplatz geradeaus führt, welche 2 Fenster nach Westen und 2 nach Süden hat. Für diese Stube ist 1886 ein neuer Ofen angeschafft.
    c.    Eine Wohnstube links vom Vorplatz mit 2 Fenstern in der Nordmauer. In diesem Local ist ein sog. englischer Herd. Vor diesem steht jetzt ein alter Regatierofen.
    d.    Eine Schlafstube nach Süden, neben der Wohnstube, mit welcher sie auch durch eine Glastür in Verbindung steht. Die Schlafstube hat ein Fenster nach Süden.
    e.    Eine kleine Küche mit 1 Fenster nach Norden. Hier ist eine Bettstelle und ein Speiseschrank angebracht.
    f.    Oben im Hause nach Westen ist eine sog. Gehülfenstube. Sie hat zwei Fenster nach Westen an der Südseite, 2 Bettstellen mit einem Kleiderschrank dazwischen und einem alten Kästchenofen.
    g.    Unten im Hause ist auch noch südlich von der Küche ein Raum mit 1 Fenster nach Süden. Hier ist die Cisterne u. ein sog. Gossenstein, auch befindet sich der Eingang zum Keller,welcher unter der Schlafstube liegt und 1 Fenster nach Süden hat.
Die Scheune blieb beim Neubau unverändert. Die Schule ist bei Erbauung der Lehrerwohnung um 9 Fuß verlängert, also jetzt 53 Fuß lang. Von dieser Verlängerung ist durch Versetzen der Scheidewand der westlichen Klasse 4 Fuß und der östlichen 5 Fuß hinzugekommen. Durch diese Versetzung der Scheidewand ist ferner 1 südliches Fenster in der östlichen Klasse hinzugekommen, die westliche hat aber dafür 2 kleine Fenster oben in der Südwand und 1 großes in der Nordwand mehr erhalten, so daß jetzt diese Klasse 6 Fenster und jene 7 enthält.
Die Gebäude sind zusammen für ?? bei der Ostfr. Feuer-Versicherungs-Sozietät für das platte Land versichert. Der jährliche Mietwert des Hauses und der Scheune ist veranschlagt auf 14,42M=43,26M.
Bem.: Die alte Bretterscheune ist am 29. Nov. 1908 abgebrannt. Abend 1/4 vor 9 wurde das Feuer bemerkt. Entstehung des Feuers ist unbekannt, ob Unvorsichtigkeit oder böswillige Brandstiftung vorliegt, ist nicht ermittelt. In der Scheune lagerte Gastwirt Hoods Heu und Stroh, der Lehrer Torf und Kohlen. Das Feuer war in der Südwand der Bude entstanden.
Im Sommer 1911 kaufte die Gemeinde das Haus der Fr. Ww. I.C. Fegter, Anke geb. van der Linde, und Garten für 850 M. Das alte Haus wurde abgebrochen u. Garten u. Hausstelle als Spielplatz für die Schule zugerichtet.

Anmerkung betr. Schulgrundstück vom 15.8.1927:
Größe des Ziergartens    1,59a
Größe des Gemüsegartens    4,01 a

Klasse 1    Belichtungsziffer    9,01 m2
        Kubikinhalt    169,11 m3
        (L= 7,34 m, Br. 6,40 m, H.= 3,60.)

Klasse II    Belichtungsziffer    11,23 m2
        Kubikinhalt    150,74 m3
        (L= 7,54m, Br. 6,40 m, H=3,60.)

Portal: 1,66 m : 2,34 m




Ortsgeschichte Loquard Krummhörn

Standort der ersten Burg Loquards auf dem Runden Graben
Standort der ersten Burg Loquards auf dem Runden Graben

Lage: 53.38°N 7.03°O
Loquard wurde inmitten eines Kalkmarschgebietes auf einer Höhe von 4,1 m über dem Meeresspiegel (NN) gegründet. Die ursprüngliche Haufensiedlung, die sich zunehmend zu einer Streusiedlung entwickelt, befindet sich zwischen Rysum (1,5 km südwestlich) und Campen (ca. 1,5 km nördlich) liegend etwa elf Kilometer westnordwestlich von Emden. Der Ort wurde im 10. Jh. als »Lacuurdh« erstmals urkundlich erwähnt. Spätere Bezeichnungen waren »Lachwerth« (1385) und »Loquerd« (1417). Die heutige Schreibung ist seit 1465 belegt.


Zum Ort gehören: Bartshausen (ehemaliges Vorwerk des Klosters Ihlow), Neuloquard (seit 1871 belegter Domänenhof), Liebenhain (wurde erstmals 1824 als »Liebendem« urkundlich erfasst und seit 1842 mit heutiger Schreibung verzeichnet. Das Anwesen wurde beschrieben als »Lusthaus von tempelähnlicher Bauart, worin Gastwirtschaft betrieben wird, mit einer englischen Gartenanlage«, was den Namen wohl als »lieben Hain« erklären dürfte.


Loquard ist eine der drei lutherischen Gemeinden in der Krummhörn.

In der Kirche, deren Spitze ein Schwan verziert, befindet sich ein sehenswürdiger Altar aus dem Jahre 1520. In der Zeit des bedeutenden Häuptlings von Loquard, Viktor Freese, war dieser Passionsaltar entstanden.


Loquard wurde vornehmlich durch handwerkliche Berufe geprägt. Das Einwohnerverzeichnis von 1719 weist jeweils einen Auskündiger (Ausrufer), Brauer, Kollektor (Bedeutung nicht bekannt), Grützemacher, Kaufmann, Krämer, Maurer und Müller, jeweils 2 Bäcker, Schmiede und Weber, jeweils 3 Schneider, Schuster und Zimmermänner, sowie 4 Schiffer und 27 Tagelöhner aus. 1880/81 wurden jeweils ein Schlachter, Schneider und Stellmacher, 2 Kräutner (eine frühere Bezeichnung für Apotheker), 2 Schuster sowie 3 Schmiede, 3 Zimmermänner und 3 Gastwirte, von denen einer auch als Kräutner, einer auch als Kräutner und Maler, und der Dritte auch als Postagent tätig war, registriert.

Die erste Burg in Loquard stand auf einer noch heute erhaltenen kleinen Insel, von einem Burggraben umringt.

Einer der ersten Burgbewohner war Liudward. Nach ihm wurde die Burg »Lyowertsnabroch« genannt. Die Burg wurde bereits am 14.6.1400 im Zuge einer Strafexpedition der Hamburger zerstört. Sibrand Brungersna I. hatte sich mit Seeräubern verbündet und den Vitalienbrüdern oder Likedeelern angeblich Unterschlupf gewährt. Selbst Klaus Störebeker soll sich dort verborgen gehalten haben. Andere Quellen berichten, dass Gödeke Michel, ein ebenfalls bekannter Seeräuber, mit Hilfe von Sibrand die Flucht mit 200 seiner Leute gelang.


Nordwestlich des Dorfes befand sich die Loquarder Burg des 15. Jahrhunderts.


Letzter Häuptling Loquards war Viktor Freese II, der 1564 Loquard und Campen an Graf Edzard II. und seiner Gemahlin Katharina, Tochter des schwedischen Königs Gustav, verkaufte. Graf Edzard und seine Frau versuchten damals in ganz Ostfriesland das lutherische Glaubensbekenntnis einzuführen.